Nach drei Jahren intensiver Forschung und Entwicklung sowie zahlreichen Praxistests zieht das Projekt HospiBot eine durchweg positive Bilanz. Im Fokus steht ein modulares Robotersystem für den Einsatz im Krankenhaus sowie praxisnahe Richtlinien.
Der demografische Wandel und der wachsende Fachkräftemangel stellen Gesundheitssysteme vor immense Herausforderungen. Wie moderne Robotik Pflegekräfte spürbar in nicht-medizinischen Aufgaben entlasten kann, haben wir im Forschungsprojekt HospiBot in den vergangenen drei Jahren erfolgreich erforscht und erprobt. Am 30. August 2026 endet unser mit rund 1,68 Millionen Euro von der EU-Initiative Interreg Deutschland-Danmark geförderte Projekt offiziell. Bei einem finalen Projekttreffen am 20. August 2026 präsentierten unsere Projektpartner an der Syddansk Universitet in Odense die Innovationserfolge unserer Zusammenarbeit.
Drei Jahre lang haben wir intensiv im deutsch-dänischen Grenzgebiet geforscht, entwickelt und getestet. Ich kann nicht sagen, dass es immer ein einfacher Weg war. Aber am Ende haben wir viel gelernt und großartige Ergebnisse erzielt. Es war toll zu sehen, wie viele Menschen wir mit unserer Arbeit erreichen konnten. Auf zahlreichen Events haben Besucherinnen und Besucher mit unseren Robotern interagiert. Das hat uns gezeigt, wie groß das Interesse an dem Thema und unserer Arbeit ist.
Oskar Palinko, Projektleiter

Modulare Robotik für reale Klinikanforderungen
Herzstück des Projekts ist ein modulares Robotersystem, entwickelt an der Syddansk Universitet sowie der Universität zu Lübeck. Es besteht aus einer mobilen Basisplattform und drei spezialisierten Aufsatzmodulen: Roboter HuGo, Roboter Tele sowie eine ergonomische Transportbox.
Mobile Basisplattform
Die wendige Basisplattform agiert vollständig autonom und setzt die kompatiblen Aufsätze eigenständig auf und wieder ab. Sie berechnet ihre Fahrwege flexibel, reagiert in Echtzeit auf Hindernisse und plant ihren Weg automatisch neu. Am Zielort angekommen, erkennt sie das dort wartende Aufsatzmodul und nimmt es eigenständig auf. Die exakte Wegmessung und Positionsbestimmung erfolgt mithilfe von Bewegungssensoren, während die Navigation und räumliche Wahrnehmung auf einem Laserscanner sowie einer optischen Tiefenkamera basieren. Die computergestützte Objekterkennung erfolgt durch die Auswertung von Kamerabildern mithilfe des KI-Modells YOLO. Die gesamte Softwarearchitektur baut auf der Open-Source Software ROS 2 auf.

HuGo
Roboter HuGo empfängt Besucherinnen und Besucher im Krankenhaus, beantwortet einfache Fragen, weist Ihnen den Weg oder begleitet sie auf der mobilen Plattform direkt an ihr Ziel. Fokus seiner Entwicklung lag auf einer möglichst angenehmen Mensch-Roboter-Interaktion. Er hat sich auch als kreativer Interaktionspartner für Kinder erwiesen.
Je nach Einsatzbereich arbeitet HuGo entweder offline oder mit generativer KI. Im Hintergrund läuft das Robot Operating System (ROS); programmiert ist er vorwiegend in Python und C++. HuGos Design ist auf eine möglichst angenehme und natürliche Interaktion mit Menschen ausgelegt. Er erkennt Personen im Raum und verfolgt sie mit Blick und Kopfbewegungen. Passend zu seinen Aussagen drückt er über die Augen verschiedene Emotionen aus und gestikuliert mit den Armen. Zudem besteht sein Korpus aus über 40 Teilen mit magnetischen Halterungen, dank der sich sein Erscheinungsbild in Sekundenschnelle variieren lässt.




Tele
Ein Sicherheits- und Telepräsenzroboter, der nachts auf Krankenhausfluren nach dem Rechten sieht. Erkennt Tele einen Notfall, etwa eine Person die nicht mehr atmet, benachrichtigt er sofort das Krankenhauspersonal. Tele scannt seine Umgebung mit einer Kombination aus Wärmebildkamera und Radarsensoren. Damit arbeitet Tele anonym und datenschutzkonform.
KI-Algorithmen erkennen zudem, ob jemand mit Tele interagieren möchte. In diesem Fall stoppt der Roboter automatisch, hält Blickkontakt und folgt den Bewegungen der Person. Für den schnellen Austausch bietet Tele direkte Videoanrufe, sodass Hilfesuchende per Knopfdruck Kontakt zum Pflegepersonal aufnehmen können.

Ergonomische Transportbox
Ein praktisches On-Demand-Liefermodul, das dem Personal unzählige Schritte auf den langen Krankenhausfluren erspart. Rein technisch gesehen eine „box on a pole“, übernimmt dieses ergonomische und sichere Modul spontane Transportaufgaben genau dann, wenn sie anfallen. Um die Fracht zu schützen, ist die Box mit einem gesicherten Zugangssystem ausgestattet, das sich ausschließlich von autorisierten Mitarbeitenden öffnen lässt.



Enge Verzahnung von Forschung und Praxis
Ein entscheidender Erfolgsfaktor war die enge Zusammenarbeit zwischen Forschungsteams und Klinikpersonal. Unter der Leitung des Sygehus Sønderjylland (SHS) wurden die Prototypen im realen Alltag von vier Partnerkrankenhäusern in Deutschland und Dänemark auf Herz und Nieren geprüft und anhand des direkten Feedbacks kontinuierlich optimiert.
Die Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel untersuchte mit dem sozialen Forschungsroboter Furhat innovative Interaktionsmodelle. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) plant die Hochschule, Furhats Potenzial zur Sprachförderung von internationalem Klinikpersonal auch nach Ende des HospiBot-Projekts weiter zu erforschen.

Gemeinsame Richtlinie für den Einsatz von Servicerobotern
Zu den größten Hürden für den Einsatz von Servicerobotern im Krankenhaus zählen die rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Fraunhofer IMTE hat im Rahmen des Projekts eine gemeinsame Richtlinie erarbeitet, die Krankenhäusern beiderseits der Grenze die sichere und standardisierte Einführung von Servicerobotern erleichtert. Diese Handreichung wird in Kürze auf der Website veröffentlicht und hier verlinkt.
Unser Ziel ist es, klare Leitlinien für die rechtliche Einordnung zu schaffen und einen Fahrplan an die Hand zu geben, welche Vorschriften jeweils zu beachten sind. So wird eine sichere und regelkonforme Integration der Technologie unterstützt.
Lina Behrends, stellv. Leitung des Geschäftsfelds Rehabilitation am Fraunhofer IMTE
Ein umfassender Abschlussbericht wird in Kürze veröffentlicht.
About the author

Wiebke Behrens-Focken
Hallo! Ich bon Teil des Teams für HospiBots externe Kommunikation. Ich bereite komplexe Forschungsarbeit so auf, dass sie für ein breites Publikum verständlich und zugänglich wird. So kann ich das Bewusstsein für intelligente Technologien wie Roboter stärken, Vertrauen in deren Einsatz fördern und den gesellschaftlichen Dialog über ihre Rolle im Gesundheitswesen und darüber hinaus anregen.
